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Der FCZ hilft sich und GC mit einem Doppelschlag
Der FCZ feiert in Thun ein Remis – dank einem Penaltytor in der Nachspielzeit

Leiden mit Ancillo Canepa

Stadiontribünen sind Orte der Freude und des Zusammenkommens - doch vor allen anderen Dingen sind sie ein Ort des Leidens. Das gilt für normale Menschen, das gilt noch mehr für Clubpräsidenten mit emotionalem Überhang. Leute also, die in schlechten Zeiten das Leid im Leib noch stärker spüren. Stösst in solchen Momenten das Knie des Fussballgottes mit besonders grosser Wucht zu, dann kann es sein, dass ein Präsident von seinem Platz aufspringt und aufjault, sämtliche Stellen des Kopfes mit den Händen berührt und Wörter des Zorns Richtung Feld und Himmel schickt.

Ein solcher Präsident ist Ancillo Canepa, er hat in Thun auf der Pressetribüne Platz genommen. Lange hat sein Club nicht mehr gewonnen, Canepa weiss das und antwortet mit einer unsicheren Handbewegung auf die Frage, wie es ihm gehe. Handleser würden sagen, dass sich dieser Mann nicht so sicher ist, ob das heute mit dem FCZ gut komme. Canepa sagt dann: «Heute sehen wir einen anderen FCZ.» In diesem Satz liegt so viel. Die Hoffnung auf Besserung, aber auch das Bewusstsein, dass Zürcher Fussball zuletzt wenig Spass gemacht hat.

Als wäre es ein Heimspiel

Die mitgereisten Fans teilen diese Meinung. Sie haben Spruchbänder gespannt, darauf steht: «Und mängisch spieleds schlächt, doch dänn gönd mir erscht rächt.» Sie sind so laut und zahlreich, dass sie den Thuner Anhang übertönen und aus dem Auswärts- ein Heimspiel machen.

Doch die Gesänge lockern beim FCZ vorerst keine Blockaden. Der FC Thun macht das Spiel und spielt so, wie es der FCZ selbst will. Gepflegt, flach, immer wieder vertikal. Trainer Marc Schneider ist zusammen mit FCZ-Trainer Ludovic Magnin in die Trainerschule gegangen. Beide sind sie Schüler der favreschen Fussballlehre, und in diesen Tagen scheint es, als ob die Version Schneider dem Vorbild näherkommt. Der FCZ hingegen wartet ab, verliert Bälle und schenkt dem Gegner masslos viel Zeit und Raum. Oh, wie kann sich Canepa da aufregen.

Thun hat gerade seine Jahreszahlen bekannt gegeben, der Verein hat mit einem Budget von 13,7 Millionen 50 000 Franken Gewinn gemacht, die Spieler erhalten Löhne im Wert von 5,5 Millionen. Der FCZ wirtschaftet mit einem Budget von über 25 Millionen Franken, ist professioneller aufgestellt und zahlt seinen Spielern höhere Löhne als die Thuner. Er müsste überlegen sein. Er ist es nicht.

Canepas Ärger wird noch grösser, als der FC Thun trifft, weil ihn der FCZ zum Toreschiessen einlädt. Flanke, Prellball, zwei Zürcher liegen am Boden, der Ball fliegt ins Tor. Kurz darauf schiesst Canepa hoch wie eine Rakete, Kololli hat getroffen.

Es ist ein kurzer kräftiger Schub an Glückshormonen, doch der Kick lässt schnell nach. Bereits zwei Minuten später bringt Stillhart Thun mit seinem zweiten Tor wieder in Führung. Erneut ist der FCZ unachtsam, Canepa drückt sich in den Stuhl, er will gerade nichts wissen von dieser bösen Welt.

Für ihn beginnt nun das Warten. Wer schon einmal mit schlimmen Gedanken gewartet hat, der weiss, wie leidvoll das sein kann. Der FCZ wird besser, kommt zu Chancen, doch vergibt sie alle. Es hilft ihm auch nicht, dass Schiedsrichter Bieri die Linie fehlt und nicht den besten Tag erwischt. Canepa analysiert in gewohnter Sachlichkeit: «Ein Skandal.» Er erlebt gerade Phase zwei seines Nachmittags. Nach Phase eins (Hoffnung) durchfährt ihn aller Schmerz des sich anbahnenden Scheiterns.

Das dauert an bis zur 90. Minute. Noch einmal greift der FCZ an, noch einmal flankt er - und tatsächlich: Schiedsrichter Bieri pfeift und zeigt auf den Punkt. Er hat ein Handspiel von Thuns Glarner gesehen.

Umstrittener Penalty

«Verbreiterung des Körpers», sagt Bieri nach dem Spiel. «Aus zwei Metern angeschossen, was will ich da machen», sagt Glarner. «Unbegreiflich», sagt sein Trainer Schneider. Der Penalty ist streng gepfiffen, doch er geht in Ordnung, weil der Arm im Spiel war, und weil Bieri es in der ersten Hälfte versäumt hat, einen Elfmeter zu pfeifen. Kololli lief in den Strafraum, Torhüter Faivre holte ihn von den Beinen. «Hundert Prozent Penalty», sagt Kololli und erzählt zur Beweisführung, wie ihm dies auch Faivre bestätigt habe.

Doch der Penalty muss erst noch geschossen werden. Kololli und Khelifi diskutieren in aller Ruhe, wer schiessen soll. Kololli wäre der Stammschütze, doch Khelifi findet, dass sein Kollege bereits ein Tor geschossen habe, und er darum schiessen wolle. Canepa kann es nicht fassen. Zu seiner Beruhigung einigen sich die beiden Sekunden später. Kololli schiesst - und trifft.

Endlich ist Canepa in Phase drei angekommen, Phase der Erleichterung. Wer den Fussball so verschwenderisch liebt und sich darin so vergisst wie Canepa, für den ist das ein besonders süsses Gefühl.

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