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Magnins Rat bringt Tosin gleich das erste Tor

Die Szenen nach Fussballspielen tragen eine eigene Kraft in sich. Sie sind manchmal so stark, dass sie ganze Partien erzählen können. Also. Das Spiel gegen Thun ist vorbei, und einer nach dem anderen aus der FCZ-Familie schreitet Richtung Kabine. Eine dem Gewinner eigene Beschwingtheit begleitet sie, es ist etwas in der Luft: der Sieg, viel Zufriedenheit und etwas Übermut. Ancillo Canepa erzählt, dass er das erste Tor verpasst habe - wieder einmal (der Präsident war in der Garage den Hund füttern). Assistenztrainer Alfons Higl sagt mit einem Schuss Schalk: «Noch ist nicht alles Gold, was glänzt.» Dann taucht Neufussballrentner Alain Nef auf und flachst mit Goalie Yanick Brecher: «Du musstest am Schluss doch noch ein paar Schüsse halten.» Brecher lacht. Kann lachen. Es ging gut aus. War auch schon anders.

Nur einer fehlt in dieser Kolonne der Glückseligen. Aiyegun Tosin. Der Mann des Tages. Er ging schnurstracks duschen und verpasst die Journalisten, die ihm gerne eine Frage gestellt hätten.

Ein Schuss wie ein Strich

Denn sein Tor war wunderbar. Ein Haken am Strafraum, dann ein Schuss. Vollrist. Einem Strich gleich jagt der Ball Richtung Tor, schlägt an die Lattenunterkante und landet hinter der Torlinie. Es ist das 2:0, der erste Treffer im ersten Spiel des Nigerianers, der bis anhin in Lettland gespielt hat. Weil er duscht und daher nicht über seine Taten sprechen kann, beschreiben ihn seine Kollegen. Wer ist Aiyegun Tosin? «Sehr schnell», sagt Popovic. «Stark im Dribbling», sagt Brecher. «Ganz ein Ruhiger», sagt Schönbächler.

Tosin brauchte Zeit. In der ersten Hälfte sah es bisweilen aus, als fehle ihm der Mut, als fliesse zu viel Nervosität durch seine Adern. Er verstolperte Bälle und spielte sie dem Gegner in die Füsse. In der Pause sprach Trainer Magnin mit ihm und sagte auf Französisch (Tosins Mutter kommt aus Benin), er solle jenen Aiyegun aus dem Training zeigen. Dort zog er letzte Woche Mal für Mal an seinen Teamkollegen vorbei, diese staunten, waren verdutzt - was Schönbächler noch am Freitag auf den neuen Stürmer angesprochen sagen liess: «Der kann was.»

Magnin gab also den Rat in der Pause, und Tosin ist offenbar ein guter Zuhörer. Seine erste Tat war: Er ging ins Eins gegen Eins. 51. Minute: Haken. Schuss. Tor. Es war die Entscheidung im Spiel, das bereits in der 21. Minute in vorentscheidende Bahnen gelenkt wurde. Mimoun Mahi konnte alleine aufs Tor ziehen, verfolgt von Thuns Castroman. Castroman stört. Mahi fällt. Und Magnin tobt, wie in der Schweiz nur Magnin toben kann. Denn Schiedsrichter Klossner pfeift nicht. Eine Minute später aber geht Klossner an die Seitenlinie, um fernzusehen. Der Videoschiedsrichter hat eingegriffen. Ein paar Sekunden darauf pfeift er dann doch - und Thun spielt fortan zu zehnt, Castroman erhält Rot. Hat Thun vorher ein Plus gehabt und der FCZ nervös agiert, beginnen nun die Zürcher sachte, Fussball zu spielen. Immer mehr verlagern sie ihr Spiel in Thuns Hälfte, bis kurz vor der Pause Simon Sohm nach einem Eckball zur Führung trifft.

Ein wichtiger Sieg

Wenn Assistenztrainer Higl nach dem Spiel sagt, dass nicht alles Gold sei, was glänze, dann meint er womöglich Brittos Flanken hinters Tor. Banguras Ballverluste. Popovics Körpersprache. Oder dass der FCZ nach 70 Minuten plötzlich nachliess und Thun zu Chancen kam. Doch da war noch Brecher, er hielt dem FCZ die drei Punkte. Es ist ein wichtiger Sieg. Für Magnin, den Trainer. Für den Club mit seinen Ambitionen. Aber auch fürs Selbstvertrauen. Denn es folgen nun schwierige Partien. Gegen Basel am Mittwoch, danach warten Servette und YB.

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