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FC-Trainer Ludovic Magnin: «Wir haben ein Versprechen für die Zukunft abgegeben»
Nach dem Europa-League-Aus in Napoli: Die Abbitte des FCZ

Mit viel Mut in die Niederlage

Die Wahrheit kommt oft nackt herbeigelaufen. Das sieht nicht immer gut aus. Die Wahrheit ist: Der FC Zürich ist zu schwach, um gegen Napoli zu bestehen. 0:2 heisst das in nüchternen Zahlen. Das muss Ludovic Magnin aus nächster Nähe ansehen («ein Klassenunterschied»), aber auch sein Präsident, der unweit von ihm auf einem Klappstuhl am Spielfeldrand sitzt und immer tiefer in den Stuhl rutscht, je länger das Spiel dauert.
Ancillo Canepa wollte ein Unentschieden, er bekam es nicht. Sein Groll dürfte aber kleiner sein als noch vor einer Woche beim 1:3, das wegen Lustlosigkeit den Ruf des FCZ befleckt hat, wie es Magnin vor dem Spiel sagte.

Ein 17-Jähriger fällt auf

Mut hat Magnin gefordert – und mit Mut ist er vorangegangen. Seine Aufstellung ist bemerkenswert. Zwei gelernte Abwehrspieler stehen mit Mirlind Kryeziu und Umaru Bangura auf dem Platz – bloss zwei. Auf den Seiten spielen Kololli und Winter, Schönbächler und Khelifi. Alles Fussballer mit viel Vorwärtsdrang und limitiertem defensivem Gewissen. Im Mittelfeldzentrum agiert Domgjoni, 20 Jahre jung. Neben ihm Simon Sohm, 17Jahre jung, 1 Spielminute in der Super League. Doch was unerfahren klingt, sieht nicht so aus. Sohm bewegt sich geschickt im Mittelfeld, löst mit aller Ruhe Angriffe aus, und als er einmal den Ball verliert, läuft er zurück und holt ihn sich wieder. Magnin ist beeindruckt.

Sohm ist Sinnbild für den Spirit, den Trainer Magnin sehen will. Der FCZ versucht, Fussball zu spielen. Er presst zu dritt an der gegnerischen Eckfahne und nimmt bei Eckbällen alle Spieler in den gegnerischen Strafraum mit. Das hat die Folge, dass in der Abwehr Lücken klaffen. Es ist ein Vabanquespiel, der Einsatz hoch. Ein Pass des Favoriten reicht, und die Zürcher Abwehr ist entblösst. Doch der FCZ hat Torhüter Brecher, und das Glück ist mit ihm. Vorerst.

Es gibt ein russisches Sprichwort. Das besagt: Wenn der Mensch einem Ungeheuer gegenübersteht, dann muss er nicht kämpfen, sondern singen. Genau das machen die 2500 mitgereisten Fans. Sie testen lange vor Anpfiff die Akustik der Betonschüssel San Paolo. Sie hat was. Die Klänge der Gesänge hallen durch das Rund und übertönen gar die gegnerische Anhängerschaft. Es liegt Optimismus in der Luft, der sich sofort auf die Mannschaft überträgt. In Form von Kampf und Leidenschaft.

Der filigrane Khelifi grätscht, Ceesay wird immer wieder zu Boden gestreckt, und doch geht er Minuten später wieder dorthin, wo Schmerzen auf ihn warten. Aber der Stürmer lebt mit dem Defizit der mangelhaften Ballannahme. Immer wieder verspringt ihm der Ball, was dazu führt, dass nie Ruhe einkehrt im FCZ-Spiel und Napoli von Minute zu Minute erstarkt.

Die SSC spielt mit der Lässigkeit des Besseren. Die Italiener laufen durch die Zürcher Abwehr, so leicht und elegant, so nonchalant. In ihren besten Minuten wirkt es manchmal, als ob sie mit einer Tasse Kaffee in der Hand und einem guten Gespräch auf den Lippen über die Schönheiten des Lebens plaudern – und dazu Fussball spielen. Irgendwann ist darum auch Brecher geschlagen. Wieder ist es ein Ball, der über die Abwehr fliegt, Chaos auslöst und Verdi alleine vor Brecher stehen lässt. 1:0. Die Zürcher halten dagegen, tun, was sie können, machen das gut, doch irgendwann gibt es nichts mehr gutzumachen. Napoli ist einfach besser.

Raketen gegen die Juve

Wie wichtig den Neapolitanern das Spiel gegen den FC Zürich ist, zeigt die spärliche Zuschauerzahl von 17 759. Was die Menschen wirklich beschäftigt, offenbart der Vorabend. Juventus verliert gegen Atletico Madrid, kurz danach explodierten in der Stadt Batterien von Raketen und Böllern. Nicht nur das eigene Glück, auch des Feindes Pech wird in dieser Stadt zelebriert. Für den FCZ kommen nun wichtige Tage. Sie entscheiden darüber, ob der Verein später von einer guten oder schlechten Saison sprechen darf. In der Liga müssen Punkte gegen Luzern und Lugano folgen. Im Cup soll Kriens nächste Woche nur eine Zwischenstation sein. Die Niederlage gegen Napoli wird Zuversicht schenken. Trotz allem.

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