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Mit viel Mut in die Niederlage
Der FCZ-Trainer Ludovic Magnign sagt vor der Partie in Neapel: «Im Hinspiel haben wir unser gutes Image befleckt»

Nach dem Europa-League-Aus in Napoli: Die Abbitte des FCZ

In den letzten Minuten dieses Spiels sass Ancillo Canepa auf einem Klappstuhl am Spielfeldrand im Stadio San Paolo und schaute zu, wie seinem FC Zürich noch einmal ein paar Bälle um die Ohren flogen. Er lehnte sich weit zurück und streckte die Beine von sich. Zuvor war er manchmal wie ein falscher Trainer in der Nähe der Seitenlinie hin und her geschlichen.

So viel Bewegungsraum hatte er als Präsident vermutlich noch nie. Aber jetzt war alles vorbei, Canepa sass die Zeit ab, 0:2 gegen Napoli, das erwartet deutliche Ausscheiden in den Sechzehntelfinals der Europa League. Die Tore für Napoli erzielten Verdi und Ounas.

«Wenn ich ganz sachlich bleibe und nur auf den Fussball schaue, muss ich feststellen: Es war ein Klassenunterschied», sagte der FCZ-Trainer Ludovic Magnin. Aber Magnin wollte in diesem Moment nicht nur sachlich bleiben. Es ging ihm und dem FCZ um mehr als nur ums Siegen und Verlieren. Es ging dem Verein um sein Image, vielleicht sogar ein bisschen um seine Ehre. Das Uefa-Ranking, das an diesem Abend auch auf dem Spiel stand, war weniger wichtig. Die Schweiz wird nach dieser Niederlage auf die Saison 2020/21 Europacup-Startplätze verlieren.

Eine Nacht für ein bisschen Genugtuung

Diese Nacht war für die Zürcher etwas besonderes, keine Nacht, um sich Jahre später noch von ihr zu erzählen. Aber eine Nacht für ein bisschen Genugtuung. «Wir haben ein besseres Gesicht gezeigt», sagte Magnin, «der Unterschied zu Napoli war kleiner als vor einer Woche». Auch dem Napoli-Trainer Carlo Ancelotti war aufgefallen, «dass der FCZ mit weniger Angst» gespielt habe.

Die Neapolitaner werden diese Partie bald vergessen haben. Am Vorabend hatten sie die Niederlage des Erzfeindes Juventus in der Champions League mit einem kleinen Feuerwerk in einer Seitenstrasse gefeiert, mit viel Rauch und vielen Knallern. Jetzt verliessen sie das Stadion so unaufgeregt, als ob sie zur nächsten Poststelle gingen. Vielleicht hatten sie sich sogar etwas gelangweilt.

Der FC Zürich musste sich vorkommen wie an einem Schönheitswettbewerb. Natürlich wusste er, dass die SSC Napoli hübscher ist. Aber ein bisschen zurechtmachen kann man sich ja trotzdem. Und der FCZ sah ziemlich gut aus an diesem Abend. Viel besser jedenfalls als vor einer Woche beim 1:3.

In der eigenen Welt

Noch immer war der FC Zürich spürbar schwächer als Napoli und verlor deshalb auch verdient. 45 gefährliche Angriffe hatte die Uefa für Napoli gezählt, 27 für Zürich. Gute Torchancen hatten die Zürcher eine, vielleicht zwei, die beste nach der Pause durch Khelifi.

Aber in seiner eigenen Welt hat der FCZ einen guten Match gezeigt, mit vielen jungen und sehr jungen Spielern und einer verbesserten Mentalität. Es war, als hätte das Team Abbitte geleistet für seine gehemmte Leistung vor einer Woche.

«Das ist ein Versprechen für die Zukunft», sagte Magnin. Man merkte dieser Mannschaft an, dass sie gern Fussball spielt. Sie tat es an diesem Abend so gut sie es eben kann gegen einen solchen Gegner. Heliane Canepa, die Frau des Präsidenten, hatte am Mittwoch gesagt, sie sei auch mit einem 0:2 zufrieden, wenn die Leistung stimme. Sie stimmte. Und der Trainer hatte Anteil daran.

«Auf tutti»

Die Eingebung muss Magnin im Schlaf gekommen sein oder bei zwei, drei Gläsern Rotwein. Denn vollkommen nüchtern kann man eigentlich nicht sein, wenn man sich dazu entschliesst, im Stadio San Paolo in Neapel fast ohne Abwehr zu spielen. Es ist das Waghalsigste, das Ludovic Magnin in seiner Trainerkarriere je getan hat: Die vielleicht angriffslustigste Mannschaft der jüngeren Klubgeschichte des FC Zürich aufs Feld zu schicken, eine Mannschaft mit nur zwei gelernten Verteidigern.

Wenn schon verlieren, dann richtig, mit wehenden Fahnen, ohne den geringsten Vorwurf, zu wenig gewagt zu haben. Magnin meinte es also ernst, wenn er Mut von seinem FCZ verlangte, und er fing bei sich selber an. «Ich wollte, dass meine Spieler spüren: Der Trainer geht auf tutti.»

Was nun auf den FCZ zukommt, sind «die vielleicht zehn wichtigsten Tage der Saison». So sagt es Magnin selber. Es sind die Tage, an denen sich ablesen lassen wird, ob der FCZ in der Schweiz ein Spitzenteam ist oder nicht. Wenn er diesen Anspruch hat, muss er am Wochenende gegen Luzern, am Donnerstag im Cup gegen Kriens und danach gegen Lugano gewinnen. Zuzutrauen ist es Magnins Mannschaft. Nun müssten sie sich zuerst «gut erholen, schlafen und trinken». Magnin war recht gutgelaunt. Der Abend in Neapel hat ihn mit seiner Mannschaft versöhnt.

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