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Nur noch desolat

In der 50. Minute ist Ludovic Magnin wieder das Rumpelstilzchen. Wieder einmal, wie so oft in der letzten Saison. Fassungslos schaut er zu, wie Kevin Bua nur die Gelbe Karte erhält für sein Foul an Simon Sohm. Es ist ein übles Foul, ein Tritt mit offener Sohle von hinten in die Beine des jungen Zürchers. Es ist ein Rot-Foul.

Alain Bieri ist gnädig, es ist der falsche Moment dafür. Und wieso der VAR in diesem Moment nicht eingreift, ist das Geheimnis von VAR Stephan Klossner. Die Szene ist deshalb von Bedeutung, weil in der nächsten Minute das 2:0 für den FCB fällt - durch eben diesen Kevin Bua.

Das Tor ist das Resultat eines Konters, den Kevin Rüegg mit seinem Fehlpass verschuldet. Campo spielt den perfekten Pass in die Tiefe, Bua läuft Rüegg im Rücken davon und lässt Vanins keine Chance. 72 Sekunden sind es im Fall von Bua zwischen Tätlichkeit und Triumph. 72 Sekunden, die das Spiel schon früh definitiv entscheiden.

Magnin glück- und ratlos

Zürich mag wegen dieser einen Szene und Ungerechtigkeit lamentieren. Dass der FCB am Ende gleich 4:0 gewonnen hat, ist aber alles andere als ein Zufall. Es ist nur das logische Verdikt nach diesem Match. Nicht dass der Leader der Super League gleich einen überragenden Auftritt hingelegt und ein überschäumendes Spektakel geboten hätte, das hat er beides nicht. Aber das hat er auch gar nicht nötig, ihm genügt eine Allerweltsleistung zum Sieg. Das sagt alles über diesen FCZ.

Am Sonntag gewann dieser FCZ noch 2:0 gegen Thun und löste sich damit ein wenig vom Tabellenende. Trainer Magnin hat seine Mannschaft für gestern trotzdem gleich um fünf Spieler verändert. Brecher, Britto, Pa Modou, Marchesano und Tosin müssen Platz machen, Vanins, Rüegg, Charabadse, Janjicic und Kramer rücken nach. Das System ist angepasst und diesmal ein 4-1-4-1 mit Sohm als Solisten im defensiven Mittelfeld und Kramer als Sturmspitze.

Der Trainer des FCZ wird sich bestimmt seine Gedanken gemacht haben, warum er die Mannschaft so aufstellt. Warum er Vanins erstmals seit April und einem 0:3 in Lugano in der Meisterschaft ins Tor stellt, warum Pa Modou dem defensiv unbedarften Charabadse Platz machen muss oder Tosin, der Matchwinner gegen Thun, dem ungelenken Kramer.

Sein Verhängnis ist, dass sich die Wechsel und Umstellungen nicht auszahlen, nicht einmal im Ansatz. Er ist der glück- und rat lose Trainer einer Mannschaft, die kein Gesicht hat, keinen Plan, keine Leidenschaft, keine Wucht und vor allem auch keine Führung. Sie hat nicht eine einzige Torchance. Sie hat gar nichts. Sie ist einfach nur schlecht. Und irgendwann fällt sie noch komplett auseinander. Das Spiel wird zum Debakel.

Slalomstangen für Zhegrova

Die Mängel tun sich schon sehr früh auf, Xhaka kann unbedrängt flanken, und in der Mitte kann Cabral ebenso unbedrängt zum Kopfball hochsteigen. Der Brasilianer nutzt in der 9. Minute die Freiheit, um Basel in Führung zu bringen. Die Zürcher Innenverteidiger Bangura und Mirlind Kryeziu stehen so falsch, dass ihnen nur die Rolle der Statisten bleibt. Das machen sie später noch zweimal, doch in diesen Szenen vergibt Cabral.

Der FCB braucht nicht aus sich hinauszugehen, um das Geschehen zu kontrollieren. Er kann es sich leisten, durch Cabral ein eigentlich fertiges Tor nicht zu erzielen. Edon Zhegrova legt dafür nach, und wie er das tut: Er benutzt die Zürcher Verteidiger als Slalomstangen und erzielt auf wunderbare Art das 3:0. In der letzten Minute legt Samuele Campo nach, Kryeziu sieht auch in dieser Szene miserabel aus.

Für die Zürcher gibt es nur etwas Gutes: dass das Spiel mit diesem 4:0 zu Ende ist.

Am Sonntag sind sie schon wieder gefordert. Servette heisst dann ihr Gegner. In der Verfassung von gestern treten sie in Genf als Abstiegskandidat an.

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