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Ein Hauch von Versöhnung
«Wir wollen ja auch ein emotionales Team», sagt FCZ-Sportchef Thomas Bickel

Sauerstoff für den angeschlagenen FC Zürich

Die Super League bietet einen Running Gag. Der kleine FC Thun gewinnt seit Wochen kein Meisterschaftsspiel mehr, ist aber immer noch im 3. Rang klassiert. Man kann die Tabelle noch so lange betrachten, man kann noch so lange rechnen – es ist keine Sinnestäuschung. Im Berner Oberland wissen sie selbst nicht, warum dem immer noch so ist.

Das Spiel zwischen dem FC Zürich und dem FC Sion lieferte am Sonntag Antworten. Die Liga ist von einer Nivellierung gegen unten erfasst, der Abstand zwischen dem FC Thun und Xamax, das den 9. Tabellenrang belegt, beträgt lediglich sieben Punkte. Viel ist auf Zufälligkeiten zurückzuführen, oft spielt auch die Angst mit. Im Letzigrund wurde kein Schönheitspreis vergeben, konkrete Gedanken an eine Spielkultur und an den Trainer Lucien Favre verboten sich. Der Match hätte auch andersherum enden können, zugunsten des FC Sion, dessen Leistungsvermögen seit Monaten in einem Graubereich zu orten ist und der damit in der Super League in bester Gesellschaft ist.

Gut möglich, dass die Protagonisten des FC Sion hinterher die Redewendung vom «erarbeiteten Glück» in den Mund genommen hätten, hätte Bastien Toma nach der Pause die beste Torchance verwertet und die Zürcher in noch grössere Selbstzweifel gestürzt. Aber Toma traf nicht. Etwas später flog ein abgelenkter Schuss des Sitteners Pajtim Kasami ebenso an die Torumrandung wie Sekunden danach ein Kopfball des Zürchers Mirlind Kryeziu, ehe Stephen Odey nach 69 Minuten das 1:0 glückte. Weit oben im Stadion klatschte der gesperrte FCZ-Trainer Ludovic Magnin, und die Präsidentengattin Heliane Canepa bewegte sich unbeschwert zum eingespielten Kiss-Song «I Was Made for Lovin’ You». Plötzlich war Leichtigkeit da, wenigstens für Sekunden.

Das «erarbeitete Glück»

Was danach der FCZ bot, zeugte von purer Angst. Gefestigt ist da nichts. «Das Glück fiel heute nicht vom Himmel», sagte der FCZ-Captain Kevin Rüegg, «wir haben es uns erarbeitet.» Da war sie, die Redewendung, die als Erklärung taugt, auch wenn’s nicht viel zu erklären gibt. Die frustrierten Spieler des FC Sion winkten bei Interview-Anfragen ab, einer nach dem anderen, und der Trainerassistent Marco Otero liess alle lauthals wissen, dass «die Spieler jetzt nichts mehr reden, weil sie sonst drei Spielsperren erhalten».

Wie schnell verletzt doch die Fussballerseele sein kann. Otero spielte auf Vorkommnisse im Cup-Halbfinal zwischen dem FC Zürich und dem FC Basel (1:3) an, in dem eine Rudelbildung auf dem Terrain unter anderem zu drei Spielsperren gegen Magnin und zu je einer Cup-Suspension für den FCZ-Präsidenten Ancillo Canepa und den FCZ-Assistenztrainer René van Eck führte. Der FCZ rekurriert. Magnin behauptet, gegenüber dem Referee das Wort «Betrüger» nie benutzt zu haben. Im Communiqué des Schweizerischen Fussballverbands ist hingegen zu lesen, dass Magnin den Schiedsrichter «mehrfach» als «Betrüger» beschimpft habe. Beruhigend ist, dass am Sonntag auf der FCZ-Trainerbank nicht viel hochkochte. Wenn Angst und Besorgnis grassieren, steigt die Temperatur selten. Van Eck, am letzten Donnerstag noch mitten im Getümmel und jetzt als Stellvertreter Magnins agierend, verhielt sich nicht wie ein brüllender Löwe, sondern wie ein Lamm. Wieder einmal gewinnen, egal wie, klatschen, tanzen – «I Was Made for Lovin’ You».

Irritierend äusserte sich der FCZ-Präsident Canepa im «Sonntags-Blick» über die Wogen im Cup-Halbfinal und deren Folgen. Er ist auch mit Distanz der Meinung, dass da «aus einer Mücke ein Elefant» gemacht werde, dass die Schiedsrichter «in gewissen Momenten» überfordert seien und dass der Verband am FCZ und an Magnin «ein Exempel statuiert» habe. Canepa werkelt an einer Verschwörungstheorie – alle gegen den FCZ. Er zeigt keine Reue, keine Selbstreflexion, kein Eingeständnis und leistet eine Offenbarung. Im negativen Sinn. Als wäre die überhitzte Team- und Klubführung im Cup-Halbfinal nicht in einen Zustand der Überforderung gefallen.

Warten auf die Entwicklung

Als Canepa im Februar 2018 den Trainer Uli Forte durch Ludovic Magnin ersetzte, sagte er in der «NZZ am Sonntag»: «Kann ein Trainer eine Mannschaft weiterentwickeln, kann er 10 Jahre bleiben.» Etwas mehr als ein Jahr später, Ende April 2019, ist nicht eine Weiterentwicklung zu konstatieren, sondern ein Rückschritt, der laut dem Sportchef Thomas Bickel Korrekturen nach sich ziehen wird. Vor diesem Hintergrund ist der Temperaturanstieg beim Geldgeber Canepa nachvollziehbar. Fehlender Erfolg fällt ökonomisch letztlich auf ihn zurück. Und irgendwann müsste etwas weiterentwickelt werden, sonst verstrickt sich Canepa noch mehr in Verschwörungstheorien, die willkommen sind, wenn die Spirale nach unten dreht.

Der 1:0-Erfolg gegen den FC Sion hält die Spirale an. Am nächsten Samstag darf sich der FC Zürich beim FC Basel versuchen. Der FC Thun spielt am Sonntag gegen Xamax. Gut möglich, dass die Berner Oberländer nach dem kommenden Wochenende immer noch Dritte sind. Nehmt ihn nicht aus dem Spiel, den Thuner Running Gag.

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