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Der FCZ feiert in Thun ein Remis – dank einem Penaltytor in der Nachspielzeit
«Erwarten Sie Hurrafussball von uns?»

Wer gewinnt, erntet Kritik, wer verliert, Lob – oder wie war das nochmals?

Nach dem Cup-Spiel gegen den SC Kriens sagte der FCZ-Trainer Ludovic Magnin: «Meine Mannschaft hat so viele Fehler gemacht, wie ich es in zehn Jahren als Trainer, auch bei den Junioren, noch nie gesehen habe.» Nach dem Meisterschaftsspiel gegen die Young Boys sagte der neue GC-Trainer Tomislav Stipic: «Die Mentalität meiner Mannschaft war gut, die Disziplin, der Zusammenhalt, ich sehe viel Positives.»

Der FCZ gewinnt gegen Kriens, und der Trainer schlägt seine Spieler. GC verliert gegen YB, und der Trainer streichelt seine Spieler. Daraus folgt: Wer gewinnt, erntet Kritik, wer verliert, Lob. Verkehrte Welt? Nicht ganz.

Die Beispiele zeigen, wie schwierig der Umgang mit Lob und Tadel ist, obwohl die Gleichung auf den ersten Blick einfach aussieht: Wer gewonnen hat, soll sich als Spieler oder als Zuschauer nichts darauf einbilden und nicht dem Glauben verfallen, dass etwas erreicht sei. Und wer verloren hat, soll weder als Zuschauer noch als Spieler traurig sein und sich nicht als Versager fühlen oder gar meinen, er sei unfähig. Auf den zweiten Blick aber stellt sich heraus, dass die Gleichung Tücken hat. Sie kann zum Gegenteil der erwünschten Reaktion führen.

So kann Stipics Kommentar als esoterische Entgleisung eines Schönfärbers ankommen, der den Ernst der Lage nicht begriffen hat und sich und seinen Spielern einredet, dass mit Dingen wie «Mentalität und Zusammenhalt» das Schiffchen schon nicht untergehen wird, auch wenn man knietief im Wasser steht. Man muss sich nur liebhaben, dann tut das Ertrinken nicht so weh. Magnins Einlassung wiederum kann als Wutrede eines unzufriedenen Ehrgeizlings aufgefasst werden, der das Erreichen eines Cup-Halbfinals ins Verhältnis setzt zu fehlerhaften Junioren, die für ihr Versagen auch noch belohnt werden.

Was also ist besser? Streicheln oder schlagen, loben oder tadeln? Aus der Pädagogik weiss man, dass streicheln und loben besser ist als schlagen und tadeln. Das eine schliesst jedoch das andere nicht aus, im Gegenteil – auf die Kombination kommt es an. Als Faustregel gilt: Wer eine kritische Aussage macht, muss ihr gezielt fünf lobende vorangehen lassen. Dann sind die Voraussetzungen gegeben, um die gewünschte Wirkung zur Besserung zu erzielen.

Aber das ist Theorie. Sie hat nichts mit der Praxis zu tun, wie so oft im Leben. Wer so übel spielt wie der FC Zürich gegen Kriens, hat Schläge verdient. Und wer so wacker kämpft wie die Grasshoppers gegen YB, gehört gestreichelt, bis er winselnd am Boden liegt.

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