Impressionen aus dem Trainingslager in Belek
Der FC Zürich ist im Trainingslager in Belek angekommen

Interview mit Assan Ceesay vor dem Africa Cup of Nations 2021

Mit drei von neun Toren warst du massgeblich an der ersten Qualifikation Gambias für den Afrika-Cup 2021 beteiligt. Zudem bist du auch aktueller Torschützenkönig deines Landes. Kannst du deine Gefühle nach diesen Erfolgen beschreiben?
"Das waren sehr spezielle Momente für mich. Insbesondere die zwei Tore gegen Angola waren sehr bewegend, da Gambia zuvor über 25 Jahre lang kein Pflichtspiel auf fremdem Terrain mehr gewinnen konnte. Mein drittes Qualifikationstor war dann der entscheidende Treffer, der uns zum AFCON brachte. Diese Tore für mein Heimatland zu erzielen und damit dazu beizutragen, dass wir uns erstmals für dieses Turnier qualifizieren konnten, erfüllt mich mit unglaublichem Stolz. Es gilt aber zu betonen, dass diese Erfolge absolute Teamleistungen waren."

Du reist nicht allein nach Kamerun: Ex-FCZ-Verteidiger Jagne Pa Modou kommt auch aus Zürich, er spielt derzeit beim FC Dietikon. Wie ist dein Verhältnis zu ihm?
"Bereits als ich noch in Gambia spielte, verfolgte ich Pa Modou. Noch bevor ich nach Zürich wechselte, spielte ich mit ihm in der gambischen Nationalmannschaft. Er war es, der mich davon überzeugte, in die Schweiz zu kommen. Pa Modou ist wie ein Bruder für mich und ich bin ihm für alles dankbar, was er für mich gemacht hat. Auch heute noch sind wir in regem Kontakt und er motiviert mich immer wieder aufs Neue."

In Kamerun wird Gambia in den Gruppenspielen auf Mauretanien, Mali und Tunesien treffen. Welcher dieser drei Gegner ist deiner Meinung nach am stärksten einzuschätzen und weshalb?
"Das erste Gruppenspiel gegen Mauretanien ist eine Partie auf Augenhöhe. Wenn wir eine Topleistung abliefern, können wir in dieser Partie sicherlich punkten. Mali ist praktisch bei jedem Afrika-Cup dabei und spielt einen geradlinigen, offensiven Fussball. Zudem besteht ihr Kader aus zahlreichen Spielern, die in europäischen Topligen spielen. Tunesien gehört gar zu den Mitfavoriten auf den Titel. In diesen beiden Partien wollen wir so gut es geht mit geschlossener Defensivarbeit dagegenhalten und vielleicht gelingt es uns, auch aus diesen Begegnungen Punkte mitzunehmen."

Welche Stärken besitzt euer Team, welche Eigenschaften zeichnen die Mannschaft aus?
"Wir haben einige sehr schnelle Spieler in der Offensive und physisch starke Verteidiger. Deswegen fokussieren wir uns auf Konterfussball, was zudem auch meinem Spielstil entgegenkommt. Wenn es uns gelingt, unsere Stärken auszuspielen, werden wir unsere Gegner in den Gruppenspielen definitiv fordern."

Was sind deine Ziele mit Gambia, sowohl mit der Mannschaft als auch persönlich?
"Unser grösstes Ziel ist es, die Gruppenphase zu überstehen. Wenn wir als Team geschlossen auftreten, jeder Spieler seine Qualitäten vollständig auf den Platz bringt und wir das notwendige Wettkampfglück erzwingen, kann uns dieser historische Erfolg auch gelingen. Persönlich will ich Gambia natürlich helfen, mit möglichst vielen Torbeteiligungen dieses Ziel zu erreichen. Die Erwartungen an mich, sowohl in Gambia als auch von mir selbst, sind aufgrund der vergangenen Monate hoch und ich werde mein Bestes geben, um das Team zu unterstützen und unsere Fans glücklich zu machen."

Welche Nation hat deiner Meinung nach die besten Chancen, den AFCON zu gewinnen, und warum?
"Die Favoriten auf den Titel sind meiner Meinung nach Senegal, Marokko und Titelverteidiger Algerien. Diese drei Teams haben viel individuelle Klasse in ihren Reihen und ein funktionierendes Kollektiv. Senegal und Algerien standen sich auch beim letzten Afrika-Cup 2019 im Finale gegenüber und ich bin mir sicher, dass diese Nationen auch in diesem Jahr wieder ein gutes Turnier spielen werden."

Wie ist es, mit der gambischen Nationalmannschaft zu spielen? Unterscheidet es sich vom Spiel mit deiner Mannschaft in Zürich? Und wenn ja, was ist anders?
"Klar gibt es mit dem Nationalteam Unterschiede im Vergleich zum Klubfussball. Beim FCZ trainieren wir täglich zusammen und haben so noch mehr Möglichkeiten, an Details zu arbeiten. In der Nationalmannschaft sehen wir uns nur während den Länderspielpausen. Dies wirkt sich auch auf die taktische Arbeit aus, welche im Klubfussball deutlich ausgeprägter ist als mit der Nationalelf. Zudem ist es aufgrund der wenigen Wochen Zusammenzug auch immer wieder eine Herausforderung, ein funktionierendes Teamgefüge im Nationalteam zu entwickeln, was uns in Gambia aber sehr gut gelungen ist."

Wie kommst du damit zurecht, dass du diese Saison keine oder nur eine kurze Winterpause hast? Fühlst du dich erschöpft?
"Nein, erschöpft bin ich keineswegs. Wenn ich keine Ferien habe und dafür tolle Momente am AFCON erlebe, ist das ebenso erfüllend. Natürlich geniesse ich auch freie Tage. In dieser Winterpause gehe ich nun aber weiterhin dem Beruf nach, den ich ausgewählt habe und liebe. Ich empfinde es als Privileg, Profisportler zu sein und gebe dementsprechend mein Bestes, um auch diese sportliche Herausforderung nun bestmöglich anzunehmen."

Nach dem Turnier geht es zurück nach Zürich. Was sind deine Ziele mit dem FCZ in der Rückrunde der Super League?
"Ich freue mich bereits jetzt wieder auf meine Rückkehr nach Zürich und auf meine Teamkollegen, die mir in den letzten Wochen fast ein wenig gefehlt haben (lacht). Wie bereits zuvor will ich in der zweiten Saisonphase alles dafür geben, der Mannschaft mit meinen Leistungen zu helfen. Ich will weiterhin Tore erzielen und Assists liefern und damit dem Stadtclub helfen, die Position zu halten, auf der wir jetzt stehen. Es wird eine anspruchsvolle Rückrunde sein, in der wir in jedem Spiel an die Leistungsgrenze gehen müssen, um am Ende der Saison eine gute Platzierung zu erreichen."

Das Interview wurde am 6. Januar 2021 geführt.

Bild: FCZ
Bild: FCZ

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