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Viel Aufwand, aber kein Ertrag für den FC Zürich
Ludovic Magnin: «Die Jungen heute haben kein Leben mehr»

Eine Niederlage - und ein Verbannter

Wenn Ludovic Magnin in den letzten Wochen über seine Mannschaft nachdachte, dann kam er immer wieder zum selben Schluss: Zu brav, zu lieb sei sie. Das hat er seinen Spielern mitgeteilt. Er hat zu einer Sofortmassnahme gegriffen, er erklärte die Kabine als regelfreie Zone. Hier darf man frech sein, verrückt vielleicht auch - das ist die Botschaft.

Antiautoritäre Erziehung soll dem FCZ also Erfolg bringen. Wobei, einer muss die Sache mit dem Unbravsein wohl etwas missverstanden haben: Michael Frey. Der Stürmer fehlt gegen YB und zeigt: So richtig antiautoritär führt auch Magnin nicht. «Disziplinarische Gründe» hätten zur Verbannung geführt, mehr will der Trainer dazu nicht sagen.

Als Magnin nach dem Spiel gegen YB vor den Journalisten Platz nimmt, als der FCZ schon wieder eine Partie unter ihm verloren hat, weiss er wenigstens um einen Teilerfolg. Er sagt: «Heute waren wir nicht zu brav.» Nur, verloren haben sie trotzdem, es mangelt derzeit in der FCZ-Welt an Sternstunden und Punkten. So muss Magnin über Aufwand und Ertrag sprechen, ein Missverhältnis, das sich Woche für Woche wiederholt.

Magnin ist bemüht, Fassung zu bewahren, Gegner ist ja immerhin der Tabellenführer gewesen. Doch so recht will ihm das nicht gelingen, denn der FCZ verliert durch ein Tor, das eine mühsame Vorgeschichte hat. Es handelt sich dabei um einen gegnerischen Freistoss, bei dem die Ordnung in der Abwehr fehlt und Sekou Sanogo unbedrängt den Siegestreffer schiessen kann. «Das darf einfach nicht passieren», sagt Goalie Yanick Brecher. Doch der Zorn der Zürcher bezieht sich nicht nur auf das ungeschickte Abwehrverhalten, er bezieht sich auch auf diesen Sanogo.

Der Ivorer provoziert erst den Foulpfiff mit einem Dribbling, bekommt vom Schiedsrichter Vorteil zugesprochen und rennt dann Adrian Winter um. Dabei soll er Winter einen Tritt verpasst haben, so die Zürcher Sichtweise. Dieser Tritt sei gelbwürdig, so die Zürcher Sichtweise weiter, und weil Sanogo bereits Gelb gesehen hat, hätte er wegen Gelb-Rot den Freistoss gar nicht mehr auf dem Platz erleben dürfen, so die FCZ-Logik. Ergo auch keine Niederlage.

Captain Victor Palsson vertritt diese Sichtweise noch auf dem Platz sehr vehement und zettelt sehr unbrav eine Rudelbildung an. Schiedsrichter Schärer teilt Palssons Meinung jedoch nicht und gibt ihm die Gelbe Karte, die er nach Konsultation der TV-Bilder auch Sanogo hätte geben können.

Magnins Idee dringt durch

Magnin stellt sein Team gut ein gegen YB. Es spielt erneut mit einer Viererkette in der Abwehr. Das führt dazu, dass die gegnerischen Aussenverteidiger Mbabu und Benito neutralisiert sind. Zudem gelingt dem FCZ der Spielaufbau immer besser, die Idee von Magnins Fussball dringt immer mehr durch - wenn es hier auch anzufügen gilt, dass sich dabei Fehlpässe mit einer erstaunlichen Kadenz mit gelungenen Zuspielen abwechseln.

Doch, und das ist Magnins zweite Erkenntnis der vergangenen Wochen, der FCZ schiesst kaum Tore. Zu zwei Chancen kommt er gegen YB. Das hat seine Gründe: Erstens können die Aussenverteidiger Rüegg und Pa Modou kaum offensive Akzente setzen. Drängen sie einmal nach vorne, verdienen ihre Flanken diesen Namen nicht. Zweitens fehlt dem FCZ ein Lenker im Zentrum, weder Marchesano noch Palsson sind gegen YB gewiefte Ballverteiler. Und schliesslich drittens: Raphael Dwamena. Die Kunst des Toreschiessens ist ihm abhandengekommen, er schafft es nicht einmal mehr, Gefahr auszustrahlen.

So wirkt der FCZ offensiv sehr brav - auch weil Stürmer Frey fehlt. Darum sagt Magnin: «Ich bin nicht nachtragend. Wenn Frey die Lektion begriffen hat, wird er am Mittwoch gegen St. Gallen von Anfang an spielen.» Magnin weiss, er braucht einen Spieler wie Frey. Einer, der den Gegner auch am gegnerischen Strafraum umgrätscht. Unbrav eben.

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