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"Erinnerung an unser erstes Matsch"

Das Museum des FC Zürich hat ein erstaunliches Objekt geschenkt bekommen, das der Klub-Geschichte neue Aspekte hinzufügt: Ein Trinkhorn, das sich der FCZ zu seinem allerersten Spiel am 30. August 1896 selber geschenkt hat. Vor dem Derby gegen den Grasshopper Club Zürich wird die Vitrine mit dem Sensationsfund mit einem offiziellen Akt enthüllt (9. Februar 2019, 17:00 Uhr).

Gründungszeit und Frühgeschichte des FC Zürich sind bis heute leider nur lückenhaft erforscht. Es tauchen laufend neue Quellen mit neuen Puzzle-Teilen auf. Erst seit Kurzem besteht Zugang zur Zeitschrift «Der Fussball», die zwischen 1894 und 1896 in Stuttgart erschien. In dieser Zeitung publizierten auch die grösseren Schweizer Fussballklubs ihre Vereinsnachrichten, zusammen mit etlichen süddeutschen Klubs. Erstaunlich an dieser «illustrierten Zeitung für athletische Sports und volkstümliche Jugend-Spiele» ist gerade ihre Funktion als grenzübergreifendes Sprachrohr für fussballbegeisterte Jungspunde. Der FC Excelsior Zürich – Vorgängerverein des FCZ – berichtete im «Fussball» ebenso über Spiele und Vereinsinterna, wie der FC St.Gallen 1879, der Grasshopper Club Zürich, die Old Boys Basel und der FC Basel 1893.

Bereits im Herbst 1895 kommt es gemäss dortigen Berichten zu einem Streit innerhalb des FC Excelsior. An einer ausserordentlichen Versammlung vom 24. September 1895 werden vier Mitglieder aus dem Verein ausgeschlossen, weil diese «den Vorstand sowie den ganzen Club in der gröbsten Weise angegriffen und verletzt» hätten. Am 28. Oktober 1895 taucht in der Folge erstmals ein Spiel eines FC Turicum in einer Kurzmeldung der NZZ auf (5:0-Sieg gegen einen FC Alacritas). Weil aber der «Fussball» (respektive die Nachfolgepublikation, die «Deutsche Allgemeine Sport-Zeitung») im folgenden Sommer mit der letzten Nummer vom 11. Juli 1896 eingestellt wurde, berichtet diese Quelle leider nicht mehr von der Umbenennung des FC Turicum in FC Zürich.

Hierzu schrieb der langjährige Vereinspräsident Hans Enderli am 12. Oktober 1926 im deutschen «Kicker» in seinem Rückblick auf 30 Jahre FCZ: «Es war im Sommer 1896, als eine kleine Schar eifrigster und freudiger, vor allem aber initiativer Fussballer, in einem kleinen Lokal im oberen Stock des alkoholfreien Restaurants ,,Zum Karl dem Grossen“ zusammenkamen und durch die Gründung des ,,Football-Club Turicum“ den Grundstein für den heutigen Fussballclub Zürich legten. Das Hauptkontingent der Spieler bildeten Kantonsschüler, die zum Tell allerdings als Junioren schon dem FC Excelsior angehörten, aber dort aus verschiedenen Gründen keine rechte Befriedigung fanden. Eine entscheidende Wendung trat ein, als gegen den Herbst 1896 zu infolge einer ,,Palast- Revolution“ im FC Excelsior nahezu die gesamte Jungmannschaft aus dem alten Zürcher Club austrat und in den letzten Augusttagen des gleichen Jahres zusammen mit den Mitgliedern des bisherigen FC Turicum endgültig die Gründung des Fussball-Club Zürich vollzogen.»

Diese Version der FCZ-Gründungsgeschichte wird nun durch neue Erkenntnisse gestützt. Das allererste Spiel des FC Zürich fand am 30. August 1896 im Rahmen eines «Wohltätigkeitsfests» auf der Velorennbahn Hardau beim Albisriederplatz statt. Gewissheit darüber, dass dies das erste Spiel überhaupt gewesen war, gibt es dank einem neu im FCZ-Museum aufgetauchten Objekt. Es handelt sich um ein Trinkhorn mit der Inschrift: «F.C.Z. / Erinnerung an unser erstes Matsch / Zürich-Hardau / 30. Aug. 1896 / gegen F.C. Phönix St.Gallen / 3:3». Gefunden wurde das Horn 1981 beim Abbruch der alten Letzigrund-Osttribüne von Toni Bruhin, einem Mitarbeiter der Firma Kibag. Weil der FCZ das Horn damals nicht wollte (!), stellte es Familie Bruhin während fast 40 Jahren im Wohnzimmer aus. Nach dem Tod des Finders wurde es nun 2018 im seinem Namen dem FCZ-Museum vermacht.

Aber was war dieses «Wohltätigkeitsfest» eigentlich, und welche Rolle spielte der FCZ bei den Festivitäten? Der Anlass stand offenbar nicht unter einem sonderlich guten Stern und war begleitet von Pleiten, Pech und Pannen.

Ursprünglich für Sonntag, 23. August 1896, geplant, musste man wegen schlechtem Wetter sehr kurzfristig eine Woche verschieben. Die Rennbahn-Genossenschaft des Veloklubs Zürich, dem Organisator des Fests, hatte sich Mitte August aufgelöst und war in Liquidation gegangen. Die Radrennbahn Hardau ging an ein neues «Konsortium» über. Schon zuvor, am 31. Juli 1896, meldet die «Zürcher Post» den Austritt der Mehrzahl der Mitglieder aus dem Veloklub Zürich zwecks Gründung eines neuen Vereins. Nichtsdestotrotz war offenbar eine Grossveranstaltung in Planung: Die Velorennbahn war den ganzen Monat August gesperrt «infolge grosser baulicher Veränderungen auf dem Sportsplatze, welche durch das Wohltätigkeitsfest hervorgerufen werden».

Vorankündigungen versprachen ein «römisches Opferfest, grosse Sportlichkeiten und ein Nachtfest», verbunden mit Konzerten, Blumenkorso und Feuerwerk. Auf dem «Arenaförmig erbauten Festplatz» habe es «bequeme Sitzplätze für 4000 Personen» und «eigens für die Restauration erstellte Osterien». Der Reinerlös war für die «Wohltätigkeitsanstalten» der Stadt Zürich bestimmt. Es wurde kein Aufwand gescheut. Zum Anlass eingeladen wurden alteingesessene Zürcher Turnvereine und die Stadtmusik, dazu die jüngere Garde der «Football Clubs». Nebst dem FCZ waren Excelsior Zürich, Old Boys Basel und Phönix St.Gallen vor Ort.

In der Vorwoche des Events kam es zu mehreren Unstimmigkeiten. Als erstes fühlten sich die Organisatoren durch einen Protest der kirchlichen Zentralkommission dazu gezwungen, das angesetzte «Jugendfahren» abzusagen. Ausserdem mussten die bereits publizierten Eintrittspreise nach unten korrigiert werden. Einem Inserat im Tagblatt der Stadt Zürich ist zu entnehmen: «Vielfach an uns gerichteten Wünschen entgegenkommend, beschlossen wir eine Begünstigung bezw. Reduzierung der Eintrittspreise in folgendem Sinne: Verbilligung der Kategorie II. Platz und Einführung von Kollektivbillette für Gruppen.» Einzeltickets für den Vormittag (Fussball-Matches, Konzert Stadtmusik) kosteten neu: Tribüne CHF 3.00, I. Platz CHF 2.00, II. Platz CHF 1.00, Stehplatz CHF 0.50.

In den Tageszeitungen fanden sich im Vorfeld separate Inserate vieler teilnehmenden Organisationen und Vereine zur Information an die Mitglieder betreffend Besammlung und Ablauf. Ein anonymer Fussballfan liess zudem verlauten: «Anlässlich des grossen Football-Matches am Wohltätigkeitsfeste, versäume niemand der Arbeit der besten Mannschaften von Zürich, Basel und St.Gallen am Vormittage beizuwohnen. Dieses englische Nationalspiel, das bei uns so schnell Boden gefasst, verdient weiteste Verbreitung in unserer Stadt. Einer von vielen, der es lieb gewonnen.»

In diesem Zusammenhang taucht auch die erste bekannte Zeitungsannonce des FC Zürich selber auf: «Besammlung um 8:30 Uhr beim Hauptbahnhof zum Empfang des FC Phönix St.Gallen. Punkt 9:00 Uhr Beginn des Matches in der Hardau. Nachmittags Punkt 1⁄4 1 Uhr Sammlung sämtlicher Festteilnehmer im Sportsanzug beim Hotel Bellevue, zum gemeinsamen Zug auf den Festplatz. Die Festzeichen können beim Präsidenten bezogen werden. Pünktliches und vollzähliges Erscheinen erwartet. Der Vorstand» (Inserat FCZ vom 27. August 1896). Noch einen Monat zuvor nannten das Tagblatt vom 28. Juli 1896 und die «Zürcher Post» vom 4. August 1896 als Teilnehmer am Fest übrigens «Turicum Zürich», nicht den FC Zürich. Dieses Detail stützt die eingangs erwähnte Erzählung, dass sich Turicum erst im Laufe des Augusts 1896 in FC Zürich umgetauft hat. Das offizielle Gründungsdatum 1. August 1896 hat sich der FCZ somit wohl erst nachträglich hinzugefügt.

Die Recherche der alten Zeitungen hat zu zwei weiteren sensationellen Entdeckungen geführt: Am 22. August 1896 stand zusätzlich zur Ankündigung des FCZ-Spiels: «Farben: St.Gallen: Blau-gelb. Zürich: Weiss-blau»! Bisher waren als Gründungsfarben des FCZ die Farben Rot und Weiss angegeben worden. Offenbar hat sich der FCZ diese Farben auch erst später gegeben – als Abgrenzung zu den bereits in blau-weiss bestehenden Grasshoppers – war aber zumindest im allerersten Spiel noch in den Stadtfarben angetreten. Tatsächlich ist der FCZ auf vielen ganz frühen Bildern in weissen Pullovern abgebildet und weiss ist als Klubfarbe des FC Turicum überliefert. Wann genau die Farbe Rot noch ins Spiel kam, ist nicht bekannt. Auch das allererste Vereinswappen, bisher gänzlich unbekannt, wird in einem nachträglichen Bericht zum Wohltätigkeitsfest beschrieben: «Sein Emblem, ein grosser, in den Zürcher Farben prangender Fussball».

Das Spiel des FCZ gegen den FC Phönix St.Gallen dürfte das Retour-Match eines Spiels im Sommer 1896 gewesen sein, als der FC Turicum auswärts gegen den Verein, der aus «Mitgliedern der Junior-Sektion des F.B.C. St.Gallen bestand», angetreten war. Die Partie war am Wohltätigkeitsfest der allererste Programmpunkt um 9:00 Uhr in der Früh, quasi das Aufwärmprogramm zum Vorspiel. Am 3. September 1896 schrieb die NZZ zum Spielverlauf selber: «Genau zur festgesetzten Zeit, um 9 Uhr, begannen die beiden Fussballklubs Phönix St.Gallen und Fussballklub Zürich ihre Vorbereitungen, denen bald ein ebenso interessantes als eifriges Spiel folgte. Eine junge, kernige, gelenkige Mannschaft, diese Fussballspieler beider Klubs. Hei, wie der Ball flog, wie die Gegner laufen mussten, um das Durchgehen des Balles durchs Ziel zu verhüten. Hatten die Zürcher anfänglich mit einiger Reserve gespielt, ob aus Höflichkeit oder dass der frische Morgen den richtigen Eifer noch nicht geweckt, so verbesserten sie doch bald ihre Stellung.» Am Schluss hiess es, wie auf dem Horn eingraviert, 3:3-Unentschieden.

Während die NZZ wohlwollend vom ganzen Anlass berichtet, schlägt die Stadt-Chronik der «Zürcher Post» am 1. September 1896 andere Töne an: «Über dem Fest in der Hardau waltete ein böser Stern. Die kalte, frostige Herbststimmung, die über der ganzen Natur lag, schien sich wie ein drückender Alp auf dasselbe gelegt zu haben. Wie jene sich in der Neubildung von Formen bereits schon erschöpft hat, so bot auch dieses, mit Ausnahme der dekorativen Ausstattung, Nichts, was man diesen Sommer auf Turnfesten und Sportplätzen nicht schon zu Dutzenden Malen geschaut hätte. Es gebrach ihm an schöpferischem Impuls, um auch auf diesem Gebiet etwas Neues, Originelles zu schaffen, wie der Lesezirkel Hottingen in seinem Trachtenfest, die Verkehrskommission im letzten Seefest. Gegen diese Veranstaltungen fiel der Nachmittagsteil des Wohltätigkeitsfestes so ab, dass er notwendigerweise die Kritik herausfordert. Diesem Mangel sowohl, wie auch den allzu hohen Preisen und dem frostigen Wetter ist der schlechte Besuch hauptsächlich zuzuschreiben.»

Für den FC Zürich war dieser Tag aber offenkundig sehr wichtig: Man stiftete sich selber ein wertvolles «Trinkhorn» als Erinnerung an das erste Spiel der Vereinsgeschichte. Dieses Horn ist nach 122 Jahren unvermittelt wieder in den Besitz des FCZ gelangt. Es ist nun das älteste ausgestellte Objekt im Vereinsmuseum.

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