FCZ Brunau: Erfolgreicher Auftritt am Special-Olympics-Turnier in Nyon
Highlightvideo vom 125-Jahre-Jubiläumsanlass

Am Morgen auf dem Platz, am Abend in der Kurve

Gegnerische Fussballteams, die um jeden Ball kämpfen, am Ende der Saison einen Meister küren, aber in Minne zusammen Bier trinken, sobald der Schlusspfiff erfolgt ist. Gibt es nicht? Doch, gibt es. Zu sehen fast jeden Samstagmorgen im Juchhof 2 in Altstetten.

Die FCZ-Fanliga, unter den Eingeweihten einfach nur Fanliga genannt, wurde am 30. September 2004 in der Flachpassbar gegründet. Die Ursprünge jedoch gehen noch weiter zurück. Im FCZ-Forum hatten ein paar eingefleischte Fans irgendwann die Idee, sich nicht mehr nur online über Fussball auszutauschen, sondern auch aktiv zu spielen. Vier Mannschaften konstituierten sich und die Mitspieler wurden mehr oder weniger zufällig zusammengewürfelt. Einige kannten sich vage, andere wussten gerade einmal den Forums-Nicknamen ihres Teamkollegen.

Das "Forums-Tschuute" war geboren, die Ambitionen aber noch nicht gestillt. Gerne wollten die Jungs in einem organisierteren Rahmen um Ruhm und Ehre spielen, aber zwei Trainings unter der Woche und teure Mitgliedergebühren mussten nicht unbedingt sein. Ideale Voraussetzungen also, um ein gemeinsames Team in der Alternativliga anzumelden – könnte man meinen. Eine entsprechende Anfrage blieb trotz mehrfachen Nachhakens unbeantwortet.

"Ich dachte mir also: Warum gründen wir nicht einfach unsere eigene Liga?", erzählt Björn Scheiwiller, der erste Präsident der Fanliga. Er rief zwei Freunde an, alles Weitere wurde in besagter Flachpassbar geregelt. Die Alternative zur Alternativliga war geboren. Wobei: Der Teufel steckt auch beim Amateurfussball im Detail. Wie verhindert man, dass eine Mannschaft im entscheidenden Spiel den treffsicheren Kollegen aus der 1. Liga aufstellt? Braucht es Schiedsrichter? Und vor allem: Wo soll gekickt werden?

Die Anfrage beim Sportamt Zürich stiess auf unerwartetes Wohlwollen. Unter der Bedingung, dass Randzeiten – sprich: der Samstagmorgen – genutzt werden, stellte die Stadt Fussballplätze zur Verfügung, erst im Hardhof, später im Juchhof. "Sie dachten wohl: Endlich geben die Fans mal positiv von sich zu reden", sagt Vito Petrillo, Gründungsmitglied und zweiter Fanliga-Präsident. Während zwei Saisons gastierte die Fanliga gar auf den Trainingsplätzen von GC, weil alle anderen besetzt waren. Plötzlich musste sich die Leitungscrew mit der Frage auseinandersetzen, ob auf fremdem Territorium allenfalls Spieler auf die Idee kommen könnten, mit Tags oder Klebern das Revier zu markieren. Geschehen ist nie etwas.

Es passt zum Motto der Fanliga, "Fussball und Freundschaft". Am Samstagmorgen duelliert man sich auf dem Fussballplatz, am Abend treffen sich einige in der Kurve wieder. "Ich hätte problemlos alleine ins Stadion gehen können: Immer stiess ich auf Leute, die ich aus der Fanliga kannte – aus den verschiedensten Mannschaften", sagt Petrillo, der mittlerweile auf der Osttribüne Platz nimmt.

Legendär sind auch die Fanliga-Partys, die bis in die frühen Morgenstunden andauerten – freilich lieber am Samstag- als am Freitagabend, wenn man wenige Stunden später auf dem Platz zu stehen hatte. Heliane Canepa fungierte einst gar als Glücksfee für die Cupauslosung. Und Dani König, im Strafraum fast so talentiert wie hinter dem Plattenteller, wollte zusammen mit anderen DJs eine Mannschaft für die Fanliga anmelden. "Als er erfuhr, dass die Spiele immer am Samstagmorgen stattfinden, blies er die Idee schnell wieder ab", sagt Scheiwiller.

Mit den Jahren festigte sich die Fanliga, einige Mannschaften gaben auf, weitere stiessen hinzu. Von den aktuell zehn Teams mit Namen wie Blockfrei Parsimony Allstars, Sporting Extremadura Lochergut oder Excelsior Turicum stammt noch immer fast die Hälfte aus der Ursprungszeit. Bei den Red Rebels gründet sogar der Teamnamen noch aus den Tagen des Forum-Fussballs: Es waren die Jungs, die jeweils das rote Leibchen trugen. Die Regeln wurden immer wieder den Bedürfnissen angepasst. So wird etwa längst mit Schiedsrichtern gespielt, die freilich – wie könnte es anders sein – von einem anderen Team gestellt werden.

Dennoch blieben die Grundfeste der Fanliga über all die Jahre die gleichen: Wer mitspielen will, auch Frauen sind herzlich willkommen, hat zumindest FCZ-Sympathisant zu sein. Gespielt wird mit sieben gegen sieben Spieler aufs halbe Feld.

Und das Wichtigste: In der Fanliga ist die Freundschaft und der gegenseitige Respekt, bei allem gesunden Wettbewerbsgeist, wichtiger als der todernste Kampf. Sämtliche interessierten SpielerInnen sind in der Fanliga herzlich willkommen und wir würden uns freuen, auch neue Mannschaften zu begrüssen. Weiterführende Infos findet ihr unter www.fanliga.ch.

Ein Beitrag von Antonio Fumagalli.

 

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